Psychologische Betreuung

Die Diagnose einer lebensverkürzenden Erkrankung eines Kindes ist ein traumatisierendes Ereignis, das sich auf das gesamte familiäre System auswirkt. Die Klinische und Gesundheitspsychologin betreut und begleitet die betroffenen Kinder, die Geschwister, die Eltern, Großeltern und andere wichtige Bezugspersonen. Zuhören und Gespräche über die Krankheit, das Leben und Sterben, Sorgen, Gedanken und Gefühle können schon entlasten. Und auch wenn die Worte fehlen, kann die Psychologie dabei helfen, andere individuelle Ausdrucksmöglichkeiten zu finden.

In der Trauer gibt es kein richtig oder falsch

Unsere Klinische und Gesundheitspsychologin Mag. Antonia Mittelbach im Interview.


Welche Fragen und Probleme beschäftigen Familien, in denen ein schwerstkrankes Kind lebt?

Durch die lebensbedrohliche oder lebensverkürzende Erkrankung eines Kindes kommt es nicht nur zu einer Veränderung des Alltags, sondern auch zu Änderungen in der Geschwisterkonstellation und Verhaltensänderungen der Eltern. Mama und Papa haben plötzlich keine Zeit mehr für Geschwister und sind traurig; ein Kind nässt wieder ein, ist aggressiv oder hat Schulprobleme oder innerhalb der Familie ist keine offene Kommunikation möglich. Betroffene Familien erleiden einen doppelten Verlust. Sie verlieren ein Kind und müssen sich von Träumen und bestimmten Vorstellungen verabschieden. Der Trauerprozess beginnt häufig schon mit der Diagnose. Es gibt eine Vielzahl an offenen Fragen und Herausforderungen, mit denen betroffene Eltern konfrontiert sind: Wie kann ich meinem gesunden und meinem kranken Kind gleichzeitig gerecht werden? Nutze ich die zur Verfügung stehende Zeit gut genug? Wie wird das sein, wenn mein Kind stirbt? Was ist nach dem Tod? Sind meine Gefühle im Trauerprozess normal? Soll ich mit dem Kind über die Krankheit, das Sterben und den möglichen Tod sprechen? Warum mein Kind? Warum gerade ich?

Wie kann ich betroffenen Familien helfen?

Indem ich da bin, Angebote setze und gut auf die Bedürfnisse der Familien achte, immer bedürfnis- und bedarfsorientiert. Ehrlichkeit, die offenen und klaren Worte über die Krankheit, das Leben und Sterben, Sorgen, Gedanken und Gefühle und die Information darüber, dass alle Trauerreaktionen normal sind, können schon eine große Entlastung sein. Wenn die Worte fehlen, kann die Psychologie helfen, individuelle Ausdrucksmöglichkeiten zu finden beispielsweise durch Malen und Gestalten. Die Förderung einer offenen Kommunikation in der Familie und Gefühlen im Familienleben Platz zu geben ist auch ein wichtiger Teil, da durch die intensive Betreuung zahlreicher HelferInnen dafür meist wenig Platz bleibt. Es geht nicht so sehr darum, den Eltern Freiräume zu ermöglichen, da sie zumeist sowieso so viel Zeit wie möglich mit ihren Kindern verbringen wollen. Aber trauerfreie Zeiten sind wichtig! Es geht darum, Erinnerungen zu schaffen, etwa durch das Gestalten einer Erinnerungskiste, Bedrucken eines Polsterbezugs mit Handabdrucken der ganzen Familie, und Ressourcen zu entdecken.

Was ist das Besondere daran, die Familien zu Hause zu betreuen?

Es setzt das Vertrauen der Familien voraus und einen sorgsamen Umgang mit Privat- und Intimsphäre, ich bin den Familien sehr nahe und trotzdem ist es wichtig, die Distanz zu wahren.

Über welches Ereignis habe ich mich im letzten Jahr sehr gefreut?

Wenn Familien das Glück im Kleinen erleben. Wenn ich merke, dass scheinbar kleine Dinge für die Eltern am Todestag hilfreich waren, etwa das Bild der Raupe, die sich in einen Schmetterling verwandelt. Wenn Vertrauen da ist. Wenn Eltern wieder Kinder bekommen.

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